
Der Vortrag von Dr. Tobias Litterst im Rahmen der öffentlichen Ringvorlesung des Fachbereichs Psychologie der Fachhochschule der Diakonie in Bethel hat eindrucksvoll verdeutlicht, wie vielfältig menschliche Wahrnehmung ist.
Unter dem Titel der Ringvorlesung
„Mind the gap! Zwischen Reiz und Wirklichkeit – wie Wahrnehmung entsteht“
wurde deutlich, dass Wahrnehmung weit über das rein Visuelle hinausgeht und eng mit individuellen Erfahrungs- und Deutungshorizonten verbunden ist.
Dr. Litterst eröffnete als Philosoph und blind geborener Mensch eine besondere Perspektive auf die Bedingungen und Formen menschlicher Wahrnehmung. Dabei wurde anschaulich, wie stark blinde Menschen ihre Umwelt über Haptik und andere Sinneszugänge erschließen. So können beispielsweise Objekte und Räume gedanklich Schritt für Schritt aufgebaut und nachvollzogen werden.
Im Vortrag wurde zudem deutlich, dass das Gehirn eine zentrale Rolle bei der Verarbeitung von Sinneseindrücken spielt. Wahrnehmung entsteht nicht getrennt nach einzelnen Sinneskanälen, sondern im Zusammenspiel verschiedener sensorischer Informationen, die gemeinsam ein kohärentes Bild von Umwelt und Objekten formen.
Der Vortrag bot damit wertvolle Impulse, gewohnte Vorstellungen von Wahrnehmung zu hinterfragen und neue Perspektiven auf das Zusammenspiel von Sinneswahrnehmung, Interpretation und Wirklichkeitskonstruktion zu gewinnen.

